Drei Wochen an Bord
Praktikum auf dem Lotsenstationierungsschiff „Kapitän Bleeker“
von Asja Stomberg und Steffen Ehrlich (Jg. 11)
- Juni 2008 -
Wir sind zwei Schüler der 11. Klasse und haben, wie auch alle anderen aus unserem Jahrgang, vom 21.04. bis zum 09.05.2008 ein Praktikum gemacht. Doch im Gegensatz zu den Anderen haben wir unseres auf dem Wasser absolviert. Wir waren für drei Wochen auf einem Schiff – dem Lotsenstationierungsschiff „Kapitän Bleeker“.
Da unser Praktikumsplatz vor Borkum liegt, mussten wir, um ihn zu erreichen, mit einem Autotransporter hinausfahren. Schon die Überfahrt gestaltete sich als ein interessantes Erlebnis. Als wir nach drei Stunden ankamen, erhielten wir eine kleine Einführung ins Schiffsleben und damit war der erste Praktikumstag auch schon beendet.
In den nächsten drei Wochen lernten wir das Leben und die Arbeit an Bord kennen. Wir bekamen das Navigieren, das Kartenlesen und das Steuern eines „großen Schiffes“ beigebracht. Auch bei der Arbeit an Deck haben wir mitgeholfen. Zu den Tätigkeiten zählten unter anderem das Deckschrubben, das Streichen und das Fahren der Beiboote, mit denen die Lotsen zu den großen Schiffen gebracht werden beziehungsweise von denen sie abgeholt werden. Zudem waren wir in der Maschine, wo wir den Maschinisten bei ihrer Arbeit halfen.
Abgesehen vom praktischen bekamen wir auch theoretisches Wissen vermittelt. Wir lernten viel über den Beruf eines Kapitäns / Nautischen Offiziers, eines Maschinisten, eines Schiffsmechanikers und eines Lotsen.
Uns hat das Praktikum sehr viel Spaß gemacht, weshalb wir uns für die lehrreichen und spannenden drei Wochen bei den beiden Besatzungen sowie bei Herrn Radke, dem Ältermann der Lotsenbrüderschaft, bedanken möchten.
Auf dem Lotsenstationierungs-und Verteilungsschiff treffen zwei Betriebe aufeinander – zum einen der Lotsenbetriebsverein und zum anderen die Lotsenbrüderschaft. Sowohl der Lotsenbetriebsverein als auch die Lotsenbrüderschaft sind Körperschaften des öffentlichen Rechts.
In dem Lotsenbetriebsverein gibt es 380 Angestellte, wovon 47 in Emden tätig sind. Der Lotsenbetriebsverein ist eigentlich nur für die Beförderung der Lotsen zuständig, also dafür, dass sie auf das Schiff hinaufkommen, das sie lotsen sollen und, dass sie auch von dem Schiff wieder hinunterkommen, das sie navigierten. Alle Männer, die auf der „Kapitän Bleeker“ arbeiten, sind Angestellte des Lotsenbetriebsvereines, der seinen Hauptsitz in Hamburg hat. Der Geschäftsführer der Außenstelle in Emden ist Norbert Radke.
Die „Kapitän Bleeker“ ist Eigentum des Staates, wurde jedoch von dem Lotsenbetriebsverein gechartert. Es ist ein 51 Meter langes Schiff, das dieses Jahr 45 Jahre alt geworden ist. So lange dient es auch schon als Lotsenstationierungs- und Verteilungsschiff.
An Bord der „Kapitän Bleeker“ arbeiten 15 oder 16 Männer in 14-Tages-Schichten. Unter ihnen gibt es fünf Matrosen und einen Bootsmann, die ausgebildete Schiffsmechaniker sind, drei Nautische Offiziere (einen Kapitän, sowie den ersten und den zweiten Offizier), zwei Technische Offiziere (den ersten Ingenieur und den zweiten Ingenieur), ein oder zwei Motorenwärter und einen Elektriker, einen Koch und einen Stewards. Die drei nautischen Offiziere gehören zu dem nautischen Bereich, die Matrosen, sowie der Bootsmann, aber auch der Koch und der Steward zu dem Deck und die beiden technischen Offiziere, genauso wie die Motorenwärter und der Elektriker, zur Maschine.
In Deutschland gibt es insgesamt sieben Lotsenbrüderschaften, die zusammen die Bundeslotsenkammer bilden. In der Lotsenbrüderschaft gibt es in Deutschland 700 Angestellte, wovon sich 34 in Emden organisieren. Denn eigentlich sind es Freiberufler, die im Seelotsengesetz geregelt sind. Wie kann man Lotse werden? Um dann später als Lotse arbeiten zu können, muss man sich bei der Lotsenbrüderschaft vorstellen und Mitglied werden. Man muss dann eine Mitgliedschaft beantragen und dann wird unter den Lotsen abgestimmt, welche/n der Bewerber sie in der Lotsenbrüderschaft aufnehmen wollen. Dabei werden dann nicht nur auf die Fähigkeiten geguckt, sondern eine wichtige Rolle spielt auch die Sympathie. Der Beruf des Lotsen Der Lotse ist der Berater des Kapitäns und assistiert ihm auf der Fahrt in küstennahen Gewässern, Flüssen, Kanälen und auch in Seehäfen. Um Lotse zu sein ist es wichtig, dass er Ruhe und Vertrauen ausstrahlt, belastbar ist und entscheidungsfreudig. Hierfür hat er eine spezielle Schulung erhalten sowie spezielles Training, um die Schifffahrt in seinem Lotsrevier zu navigieren und auch zu manövrieren, das heißt, dass er detaillierte Ortskenntnisse hat und über alle Gefahren, wie zum Beispiel Untiefen, Bescheid weiß. Zu seiner Ausbildung als Lotse gehört es, dass er sein Revier auswendig lernt, also weiß, wo welche Tonne ist, was die für ein Lichtzeichen gibt und so weiter. Dadurch ist es auch gewährleistet, dass die Schiffe auch bei extremen Witterungsverhältnissen, wie Nebel, Sturm und Eisgang, ihr Ziel sicher erreichen. Die Lotsen gelten daher auch als Teil des „Verkehrssicherungssystems Deutsche Küste“, denn durch sie ist die Unfallrate in den deutschen Revieren auf ein absolutes Minimum gesunken, wenngleich die Verkehrsdichte, genauso wie die Schiffsgröße beständig zunimmt. Des Weiteren sind sie sehr wichtig für die maritime Wirtschaft in der exportorientierten Bundesrepublik. Die vorrangigen Aufgaben eines Lotsen sind es, im Rahmen der Beratung die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt, den Schutz der Umwelt und die Abwehr von Gefahren für Menschen und Sachgüter zu berücksichtigen. Erst an zweiter Stelle steht die betriebswirtschaftliche Dienstleistung an das Schiff, deshalb will das Seelotsgesetz auch, dass die ungefähr 850 deutschen See- und Hafenlotsen Freiberufler sind. Denn nur so ist es gewährleistet, dass der Lotse seine Entscheidungen frei von wirtschaftlichem Druck treffen kann. Doch trotzdem ist ihr Beruf an den Staat gebunden, da die Lotsen durch die Einbindung in das Sicherheitskonzept der Reviere eine öffentliche Aufgabe erfüllen.